Älgeredskollektivet
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Das Älgeredskollektiv


Seit Anfang 1977 arbeiten wir im Älgeredskollektiv mit Jugendlichen, welche aufgrund unterschiedlicher Problemkonfrontationen der Hilfe beduerfen. Die Ausbildungszeit der Schueler im Kollektiv beläuft sich zumeist auf 2 bis 3 Jahre. Danach bieten wir einen individuell angepassten Abschluss an. Das Älgeredskollektiv befasst sich vorbiegend mit Jungen und Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren, die

* verhaltensgestört sind und den Abbruch destruktiver Lebensmuster erleben muessen
* - Schulverweigerer sind und denen die Möglichkeit des Abschlusses der Grundschule (9. Klasse) geboten werden muss
* - Missbrauch und /oder Straftaten begangen haben bzw. sich in einer Risikozone befinden.

Mittels Erziehung und Ausbildung durch uns soll den Schuelern und deren Familien die Chance zur Verbesserung der jeweiligen Lebenssituation gegeben werden. Arbeitsgrundlagen sind das Leben in Wohngemeinschaft, Solidarität und eine demokratische Arbeitsweise. Wir arbeiten mit der Gruppendynamik in Schuelergruppen. Wir schaffen Strukturen um die Jugendlichen, so dass sie eine Grundsicherheit im Kollektiv fuehlen, wobei die Wirksamkeit auf die Gemeinschaft in Arbeit und Freizeit baut.

Seit 1987 arbeiten wir mit der Grundschule (7. bis 9. Klasse) in Bergsjö zusammen, so dass die Jugendlichen, welche ihre Ausbildung im Älgeredskollektiv absolvieren, einen normalen Grundschulabschluss erhalten, der in keinster Weise auf eine Plazierung hindeutet.

Das Älgeredskollektiv ist ein Komplement zu Pflegeeltern und der traditionellen Institutionsplazierung. Die Wohngemeinschaft beinhaltet, dass wir, die wir im Älgeredskollektiv arbeiten, dort ebenfalls unser zu Hause haben. In der Praxis bedeutet dies, die Wahl des solidarischen Teilens unserer und unserer eigenen Kinder Freizeit mit den Jugendlichen, welche bei uns plaziert sind. Die Erwachsenengruppe ist gemischt, sowohl in Bezug auf Alter als auch Erfahrung. Wir sind jeweils zur Hälfte Frauen und Männer und haben kontinuierliche Supervision und Ausbildung.

Die Familien der Jugendlichen sehen wir als wichtigste Ressourcen in deren Leben. Deshalb wollen wir, das die Eltern aktiv an der Ausbildung der Jugendlichen im Kollektiv teilhaben. Wir können die Eltern niemals ersetzen, sondern jene während einer Zeit lediglich kompletieren. Unser Streben ist, ihnen Unterstuetzung und Hilfe in der Elternrolle zu geben.

Alle unsere Schueler muessen die Älgeredsleitausbildung durchgehen. Jene gibt ihnen grosse Möglichkeiten, den Zusammenhang zwischen Gesellschaft, Gruppe und Individuum zu verstehen und entwickelt deren Kommunikationsvermögen, Empathie und Selbstvertrauen. Dies hilft ihnen sich selbst kennenzulernen und steigert das Vermögen, Konflikte zu lösen.

Bereits seit dem Beginn ist uns die Arbeit besonders mit Mädchen geglueckt. Weiterhin haben wir grosse Erfahrung in der Arbeit mit Einwandererjugendlichen und lehren ihnen, mit dem schwedischen Alltag umzugehen.

Die Älgeredspädagogik
Wir arbeiten nach der Ansicht, dass Kinder nicht dass tun was wir sagen, sondern dass, was wir selbst tun. Deshalb sind im Kollektiv praktische Taten fuer uns wichtig. Wir arbeiten nach der Älgeredspädagogik welche beinhaltet:

Erziehung
Wir erziehen die Schueler, als wären sie unsere eigenen Kinder. Je weniger wir sie als Kriminelle, Kranke oder Andersartige behandeln, desto normaler verhalten sie sich. Aufgrund dessen suchen wir nach Lösungen anstatt nach Problemen.

Ausbildung
Eine breite und vielseitige Ausbildung angepasst an das Vermögen der Jugendlichen ist ein Teil der Arbeit, damit deren Sebstwertgefuehl und Grundsicherheit gestärkt wird.

Rehabilitation
Die Eltern in ihrer Elternrolle zu stärken und den Schuelern zu grösserem Selbstvertrauen und einem Gefuehl, etwas wert zu sein, zu verhelfen, ist das Ziel unserer Arbeit.

Solidarität
Einander zu helfen und solidarisch miteinander umzugehen, durchzieht die Arbeit im Älgeredskollektiv. Wir arbeiten nach demokratischen Prinzipien.

Ausbildungsphasen
Die Ausbildung des Älgeredskollektivs kann, beruhend auf der Jugendlichen Reife sowie des Bedarfes der Steuerung einschliesslich des Grades der Beziehung mit den Erwachsenen, grob in vier Phasen unterteilt werden.

In der ersten Zeit ist der Bedarf der Steuerung gross. Die Ausbildung beginnt mit einem „Eingewöhnungslager`` in der Waldhuette Hilltjärn. Das Augenmerk sind der Aufbau einer Beziehung und das Aufzeigen von Grenzen.

Während des ersten Jahres haben wir weiterhin einen hohen Grad an Steuerung, während sich die Beziehung zwischen uns und den Schuelern vertieft hat. Das Augenmerk liegt in der Erziehung und der Ausbildung. Das Wiederanpassen an die Schule beginnt.

Im letzen Jahr setzen wir stufenweise die Steuerung herab. Die Schueler werden die Grundschule absolvieren. Der Umzug nach Hause wird sorgfältig vorbereitet, unter anderem durch regelmässige Heimfahrten der Schueler.

Nach dem Umzug nach Hause halten wir 3 bis 6 Monate mit ihnen in Kontakt. Wir arbeiten nach einem individuell gestalteten Abschlussplan. Im Anschluss daran halten wir den Kontakt solange es der Schueler und die Eltern wollen. Ehemalige Schueler sind im Kollektiv immer willkommen.

Älgereds Leitausbildung
Während der Zeit bei uns durchlaufen alle Erwachsenen, Schueler und Praktikanten unsere Leitausbildung. Diese baut in der Hauptsache auf Gruppenpsychologie und Fuehrungstheorien auf. Älgereds Leitausbildung gibt uns das Werkzeug des Verstehens, wie die Gesellschaft fungiert, wie eine Gruppe fungiert und unsere eigene Rolle in ihnen. Jenes lehrt uns, mit Konflikten in uns und unserer Umgebung umzugehen. Die Leitausbildung gibt uns weiterhin die Möglichkeit, uns selbst kennenzulernen, unsere Geschichte, unser heute und unsere Zukunft. Während der Zeit im Kollektiv schafft die Ausbildung eine gemeinsame Sprache, so dass Jugendliche und Erwachsene miteinander diskutieren können.

Unsere Grundauffassung
Grundlage fuer die Veränderungsarbeit ist die Wohngemeinschaft. Wir leben in Wohngemeinschaft. Dies beinhaltet, dass wir hier wohnen und das solidarische Teilen unserer und unserer Familienfreizeit mit den Kollektivjugendlichen wählen. Wir sind davon ueberzeugt, dass die Schueler als erstes eine harmonische und geborgene Heimumgebung mit guten Erwachsenenvorbildern benötigen.

Wohngemeinschaftskollektiv ist eine Plazierungsalternative zwischen dem Leben in einer Pflegefamilie und traditioneller Institution.

Familien- und Beziehungsarbeit
Die Familien sind der Jugendlichen wichtigste Ressource. Wir arbeiten aktiv daran, den Eltern Hilfestellung zu geben sowie gute Beziehungen zwischen ihnen und den Jugendlichen zu schaffen. Wir können die Eltern niemals ersetzen, sondern sie lediglich fuer eine Weile komplettieren. Deshalb nehmen wir es genau, sie in der Veränderungsarbeit teilhaben zu lassen. Wir arbeiten ebenfalls mit dem uebrigen Beziehungsgeflecht der Jugendlichen.

Im Älgeredskollektiv sind die Eltern und die uebrige Familie immer willkommen. Wenn sie uns besuchen, nehmen sie an den Aktivitäten im Kollektiv teil. Wir wollen, dass die Eltern mindestens einmal im Monat und an allen verlängerten Wochenenden kommen. Im Rahmen eines jeden Besuches setzen wir uns zusammen und diskutieren, wie wir ihnen am besten helfen können, ihren Teenager zu stuetzen. Nach einem Jahr im Kollektiv duerfen die Schueler mit Heimfahrten beginnen. Im letzten Halbjahr sind die Schueler während aller Schulferien zu Hause.

Wir arbeiten ebenfalls mit den Eltern der Schueler strukturiert in Gruppen. Jedes Jahr arrangieren wir eine Familienwoche und mindestens einmal im Halbjahr haben wir Elterntreffen. In die Arbeit gehen Leitausbildung, Elternkenntnisse und Krisenhandhabung ein.

Milieutherapie
Wir sind die Vorbilder fuer die Schueler und arbeiten viel mit Gruppendynamik.

Wir motivieren die Schueler, praktische Demokratie in unserern täglichen Versammlungen zu erproben und Gelegenheiten zu nutzen, gefasste Beschluesse zu diskutieren.

Die Wirksamkeit baut auf die Gemeinschaft in Arbeit und Freizeit. Wir strukturieren die Zeiten der Schueler um Arbeit, Freizeit, Essen und Schlaf und geben den Jugendlichen Routine. Diese schafft eine Sicherheit während des Aufenthaltes im Kollektiv.

Alle, Erwachsene und Jugendliche, besorgen den Haushalt und arbeiten gemeinsam im Garten. Wir treiben Sport, spielen und sind mehrmals in der Woche in der Natur. Unser Ziel ist, dass sowohl Schueler als auch Erwachsene einer Freizeitbeschäftigung ausserhalb des Kollektives nachgehen. Ebenfalls wichtig fuer uns sind Wochenenden und Tratitionen, welche sich vom Alltag unterscheiden. Im Älgeredskollektiv feiern wir Ostern, Midsommer und Weihnachten auf traditionelle schwedische Weise. Wir haben auch eigene Traditionen, wie unterschiedliche Reisen und Feste. Dies alles lässt die Schueler und uns Erwachsene wachsen und fördert ein lustiges Miteinander.

Seit 1987 haben wir eine gutfunktionierende Zusammenarbeit mit der Grundschule in Bergsjö. Während des ersten Halbjahres werden die Schulkenntnisse der Schueler festgestellt und der Unterricht erfolgt mittels Fach- und Speziallehrer im Kollektiv. Nach ungefähr 6 Monaten beginnen die Schueler die Grundschule in Bergsjö. In der Schule befinden sich jederzeit Erwachsene des Kollektivs. Wir haben die Möglichkeit, den Schuelern während des gesamten Aufenthaltes im Kollektiv Förderunterricht zu erteilen. Die Schueler bekommen ein Abgangszeugnis der Bergsjö Centralskola, welches sich in keinster Weise von denen der anderen Schueler in der Kommune Nordanstig unterscheidet.

Die Schueler des Älgeredskollektivs
Die Ausbildung im Kollektiv richtet sich an Mädchen und Jungen im Alter zwischen 14 und 16 Jahre, welche einer Langzeitsplatzierung gemäss SoL oder LVU beduerfen. Das Älgeredskollektiv nimmt 14 Schueler von ganz Schweden auf. Die Aufnahme erfolgt kontinuierlich nach Uebereinkommen.

Im Älgeredskollektiv arbeiten wir mit Mädchen und Jungen, welche Schulprobleme und Beziehungsprobleme mit den Eltern haben. Wir nehmen Jugendliche auf, die verhaltensgestört sind, mit Missbrauch begannen, Verbrechen begingen oder sich in einer Riskozone befinden. In der Arbeit mit den Problemen der Mädchen sind wir erfolgreich. Weiterhin haben wir grosse Erfahrung in der Arbeit mit Einwandererjugendlichen und lehren ihnen mit dem schwedischen Alltag umzugehen. Das Älgeredskollektiv nimmt keine Jugendlichen mit ernsthaften psychischen Störungen auf.

Die Ausbildungszeit wird an das Beduerfnis eines jeden Schuelers angepasst, beträgt jedoch mindestens ein Jahr. Anschliessend erfolgt ein individuell angepasster Abschluss in Zusammenarbeit mit den Eltern, bearbeitenden Sozialarbeiter und uebrigen Beziehungsgeflecht.

Die Erwachsenen im Kollektiv
Im Jahre 1977 bildete sich das Älgeredskollektiv zum selbstständigen Kollektiv. Unter den ersten sieben Jahren arbeiteten wir geregelt mit der Hasselabewegung zusammen. Heutzutage sind wir ein Wohngemeinschaftskollektiv mit eigener Pädagogik und Leitausbildung, ohne das Anknuepfen an die Hasselabewegung.

Das Älgeredskollektiv liegt mitten im Dorf Älgered, in der Kommune Nordanstig, im Norden von Häsingland, 300 km nördlich von Stockholm. Der Centralort Bergsjö liegt 8 km vom Kollektiv, hier befindet sich die Grundschule (högstadieskolan). Bis nach Hudiksvall, der am nahsten gelegene Stadt, sind es 35 km.

Älgered liegt mitten in einem sehr schönen Talgang Hälsinglands. Sowohl Wanderweg als auch Badeplatz und Fischgewässer sind zu Fuss zu erreichen. Weiterhin gibt es einen Eishockeyring, einen Fussballplatz und eine Bibliothek. Das Älgeredskollektiv ist in der Gegend akzeptiert und integriert. Die Zusammenarbeit mit der Interessenvereinigung Älgereds ist gut. Ausserdem arbeiten wir aktiv fuer das „Ueberleben`` des Dorfes und sind angagiert in weiteren Vereinigungen der Gegend.

Das Älgeredskollektiv besteht aus drei Häusern, Stora huset (das grosse Haus), Skolhuset (das Schulhaus) und Olles hus (Olles Haus). Frueher war Stora huset das Lebensmittelgeschäft des Dorfes. Dies ist nun der Kern des Kollektivs und Zentrum des Geschehens. Zusätzlich zu diesen Häusern besitzt das Kollektiv zwei Huetten im Wald. Haghällen liegt 10 km von Älgered und in Hilltjärn, einer kleinen Waldhuette, finden die Neuzugangslager statt. Dorthin fahren wir auch, wenn jemand seine Ruhe braucht.

Das Älgeredskollektiv hat immer auf ein internationales Profil gesetzt. Seit 1994 arbeiten wir mit zwei englischen Organisationen zusammen und arrangieren jedes Jahr Austauschreisen, an denen unsere Schueler teilnehmen. Wir sind Mitglied des Europäischen Freiwilligendienstes und nehmen Freiwillige auf sowie haben das Recht, Freiwillige zu entsenden. Dieser Austausch wäre ohne die Unterstuetzung von Jugend fuer Europa, unterstellt der Europäischen Komission, nicht möglich gewesen. Weiterhin sind wir die schwedischen Repräsentanten in der Organisation Euromet. Euromet ist ein Zusammenschluss von europäischen Betreuungsinstitutionen, welche mit ausgesetzten Jugendlichen arbeiten. Zweck des politischen Wirkens ist das Vorbereiten des Jugendlichen auf die Lebensbedingungen in Europa.

Auswertung
Die Wirksamkeit des Kollektivs stand seit Beginn unter fortlaufender Auswertung. Unser grösster Auftragsgeber, die Kommune Stockholm, hatte stets einen umfassenden Einblick bezueglich unserer Wirksamkeit. Seit 1992 nimmt das Älgeredskollektiv an der Plazierungseinheitsauswertung der Kommune Stockholm teil.

Mitte der achziger Jahre fuehrte das Karolineninstitut eine grosse Auswertung der Behandlungsresultate des Sozialdienstes durch. (BAK-Projekt) Die Auswerung zeigte ein bemerkenswert gutes Resultat fuer das Älgeredskollektiv und die teilnehmenden Wohngemeinschaftskollektive auf; ein Jahr nach Abschluss der Behandlungszeit waren 59 % der Schueler weiterhin drogenfrei.

Eine eigene Auswertung von 1992 zeigt, dass unsere Tätigkeit weiterhin gleich hoher Qualität ist. 85 % unserer ehemaligen Schueler zeigen positive Veränderungen in ihrer Lebensfuehrung auf, während 15 % keine Veränderung aufweisen.

Eine interne Auswertung von 1994 zeigt, dass 63 % ihre Ausbildung im Älgeredskollektiv abschlossen, wovon alle bis auf einen einen kompletten Grundschulabschluss bekamen. Während des Untersuchungszeitraumes erreichten dies 86 % der Schueler.

Seit 1996 nimmt das Älgeredskollektiv am grossen Projekt ADAD der Institutionsverwaltung des Landes teil, um die Jugendbetreung in Schweden auszuwerten. ADAD ist ein weit angelegtes wissenschaftliches Projekt mit dem Ziel, die Methodenentwicklung innerhalb der Jugendbeteuung sowohl zu dokumentieren als auch zu unterstuetzen. Schlussfolgerungen im Rahmen des ADAD sind bis jetzt noch nicht bekannt.

Älgeredskollektivet, Älgered 408,82070 Bergsjö
tel: 0652-500 60, fax: 0652-501 59, e-post: info@algeredskollektivet.se